Ich werde in letzter Zeit immer wieder gefragt:
„Bist du Single?“
Ja.
„Suchst du jemanden?“
Nein.
Wenn überhaupt, möchte ich irgendwann gefunden werden.
Und während ich darüber nachgedacht habe, ist mir aufgefallen, dass diese Antwort eigentlich viel weniger mit Partnersuche zu tun hat, als man zunächst glauben könnte.
Denn die viel spannendere Frage lautet für mich inzwischen:
Wen lasse ich überhaupt noch in mein Leben?
Damit meine ich nicht nur einen möglichen Partner.
Ich meine Freundschaften. Bekanntschaften. Familie. Nachbarn. Kollegen. Menschen, mit denen wir regelmäßig Zeit verbringen.
Denn jede Verbindung bekommt irgendwann etwas von uns.
Unsere Zeit.
Unsere Aufmerksamkeit.
Unsere Gedanken.
Unsere Geschichten.
Manchmal unseren privaten Raum.
Und immer ein Stück unserer Energie.
Nur weil ein Mensch gern Teil meines Lebens sein möchte, bedeutet das aber noch lange nicht, dass ich diesen Menschen auch in meinem Leben haben möchte.
Diese Erkenntnis klingt selbstverständlich.
Für mich war sie es lange nicht.
Wenn Nähe irgendwann selbstverständlich wird
Es gibt Verbindungen, die entstehen langsam.
Man trifft sich einmal.
Dann noch einmal.
Irgendwann wird daraus Gewohnheit.
Und manchmal merkt man erst viel später, dass ein anderer Mensch inzwischen unglaublich viel Raum im eigenen Leben einnimmt, ohne dass man jemals bewusst entschieden hat:
Ja. Genau so möchte ich das.
Vielleicht ist deshalb eine der interessantesten Fragen:
Wenn du diesen Menschen heute zum ersten Mal kennenlernen würdest – würdest du ihn noch einmal so nah an dich heranlassen?
Nicht aus Gewohnheit.
Nicht aufgrund gemeinsamer Vergangenheit.
Nicht aus Schuldgefühl.
Sondern heute.
Mit dem Menschen, der du inzwischen geworden bist.
Vertraut bedeutet nicht automatisch gesund
Viele unserer Vorstellungen von Beziehung entstehen lange bevor wir unsere erste Partnerschaft führen.
Wir beobachten als Kinder:
Wie gehen Menschen miteinander um?
Wie wird gestritten?
Wie wird Nähe gezeigt?
Wer bestimmt?
Wer schweigt?
Wer entschuldigt sich?
Wer darf Grenzen setzen?
Und wer muss funktionieren?
Manches davon übernehmen wir später, ohne es überhaupt zu bemerken.
Etwas kann sich deshalb unglaublich vertraut anfühlen – und trotzdem vollkommen ungesund sein.
Vielleicht kennst du diesen Gedanken:
„Wie konnte ich das damals eigentlich mit mir machen lassen?“
Ich kenne ihn.
Und rückblickend glaube ich, dass wir manche Dinge tatsächlich erst erkennen können, wenn wir nicht mehr mitten darin stehen.
Schreiben verändert die Perspektive
Eine meiner wichtigsten Erfahrungen beim Schreiben meines Buches Troja in mir war, mein eigenes Leben plötzlich noch einmal von außen betrachten zu können.
Beim Schreiben habe ich Zusammenhänge verstanden, die ich mitten im Geschehen überhaupt nicht sehen konnte.
Deshalb schreibe ich bis heute Tagebuch.
Nicht nur, wenn es mir schlecht geht.
Auch schöne Dinge.
Gedanken.
Erfahrungen.
Fragen.
Manchmal reicht es schon, etwas aus dem Kopf auf Papier zu bringen.
Und manchmal liest man Jahre später einen alten Eintrag und denkt:
Ach du Scheiße. Jetzt verstehe ich das erst.
Schreiben kann ein Spiegel sein.
Nicht weil das Papier Antworten gibt.
Sondern weil wir uns beim Schreiben selbst zuhören.
Stabil bedeutet nicht automatisch glücklich
Auch Beziehungen, die von außen vollkommen stabil aussehen, können sich innen völlig anders anfühlen.
Haus.
Familie.
Finanzielle Sicherheit.
Ein geregeltes Leben.
Ein Mensch, von dem alle sagen würden:
„Aber der ist doch gut.“
Und trotzdem kann etwas fehlen.
Ich habe lange geglaubt, man müsse sich vielleicht entscheiden:
Sicherheit oder Leidenschaft.
Ruhe oder Lebendigkeit.
Verlässlichkeit oder Freiheit.
Heute sehe ich das anders.
Warum sollte eine Verbindung nicht gleichzeitig
sicher und lebendig,
verlässlich und leidenschaftlich,
tief und frei
sein dürfen?
Vielleicht beginnt genau hier die nächste Frage:
Will ich eigentlich das Leben, das wir gemeinsam aufgebaut haben?
Denn Verbindung wird irgendwann praktisch.
Geld.
Arbeit.
Haus.
Auto.
Kredite.
Haushalt.
Freizeit.
Verpflichtungen.
Lebensstandard.
Und irgendwann kann es passieren, dass zwei Menschen ein Leben finanzieren, für das sie permanent funktionieren müssen – und anschließend Rückzugsorte brauchen, um sich davon zu erholen.
Gemeinsam aufgebaut bedeutet nicht automatisch gemeinsam gewollt.
Werde ich eigentlich gesehen?
Eine Frage beschäftigt mich inzwischen stärker als:
„Liebt mich dieser Mensch?“
Ich frage mich lieber:
Sieht mich dieser Mensch?
Sieht er, was ich tue?
Was mich Kraft kostet?
Was mir wichtig ist?
Was ich brauche?
Was ich gebe?
Und genauso wichtig:
Sehe ich ihn?
In langen Beziehungen kann unglaublich viel unsichtbar werden.
Der Haushalt.
Organisation.
Termine.
Kinder.
Geld verdienen.
Zuhören.
Reparaturen.
Planung.
Emotionale Unterstützung.
Dinge, die irgendwann einfach „laufen“.
Und genau deshalb kann eine einfache Frage unglaublich viel verändern:
Was brauchst du von mir?
Nicht:
„Was mache ich denn jetzt schon wieder falsch?“
Sondern:
Was brauchst du von mir, damit du dich mit mir verbunden fühlst?
Vielleicht Nähe.
Vielleicht Berührung.
Vielleicht Gespräche.
Vielleicht Freiheit.
Vielleicht Verlässlichkeit.
Vielleicht Ruhe.
Vielleicht Abenteuer.
Oder einfach das Wissen:
Wenn es wirklich brennt, bist du da.
Und genauso dürfen wir uns fragen:
Habe ich eigentlich jemals klar gesagt, was ICH brauche?
Bedürfnisse machen uns nicht bedürftig.
Bedürftig wird es vielleicht erst dann, wenn ein anderer Mensch die Aufgabe bekommt, unsere innere Leere vollständig zu füllen.
Eine Grenze zeigt manchmal die ganze Beziehung
Eine der wichtigsten Erkenntnisse meines letzten Jahres war:
Manchmal erkennt man eine Verbindung erst, wenn man eine Grenze setzt.
Solange du mitmachst.
Schweigst.
Verständnis hast.
Dich anpasst.
Dich erklärst.
Funktionierst.
Kann alles vollkommen friedlich wirken.
Dann sagst du plötzlich:
Nein.
Und alles explodiert.
Eine gesunde Verbindung muss nicht jedes Nein toll finden.
Aber sie muss ein Nein aushalten können.
Nur weil ein anderer Mensch meine Grenze nicht mag, bedeutet das nicht, dass meine Grenze falsch ist.
Ich habe mich früher häufig erklärt.
Gerechtfertigt.
Und gekämpft.
Ich kann kämpfen.
Aber inzwischen habe ich etwas anderes gelernt:
Ich muss nicht jeden Kampf annehmen.
Manchmal besteht Heilung nicht darin, einen Kampf zu gewinnen.
Manchmal besteht Heilung darin zu erkennen:
Das ist gar nicht mehr mein Kampf.
Liebe oder Verlustangst?
Zum Zeitpunkt meines Lives stand Venus im Skorpion im Quadrat zu Pluto im Wassermann.
Astrologisch lässt sich diese Konstellation wunderbar als Spiegel für intensive Beziehungsthemen betrachten:
Liebe.
Anziehung.
Macht.
Kontrolle.
Abhängigkeit.
Verlustangst.
Tiefe.
Transformation.
Und daraus entstehen interessante Fragen:
Ist das Liebe – oder Verlustangst?
Ist es Leidenschaft – oder Abhängigkeit?
Wähle ich diesen Menschen wirklich?
Oder reagiert vielleicht eine alte Wunde in mir?
Denn Intensität bedeutet nicht automatisch Tiefe.
Und starke Anziehung beantwortet noch lange nicht die Frage, ob ein Mensch uns guttut.
Vielleicht ist deshalb eine andere Frage viel wichtiger:
Wer werde ich, wenn ich mit diesem Menschen verbunden bin?
Werde ich freier?
Mutiger?
Ruhiger?
Mehr ich?
Oder werde ich kleiner?
Unsicherer?
Ängstlicher?
Abhängiger?
Wo habe ich mich selbst verlassen, um verbunden zu bleiben?
Auch Chiron bringt in diesen Tagen astrologisch noch einmal alte Themen rund um Identität, Grenzen und Selbstbehauptung ins Bewusstsein.
Und daraus entstand für mich eine der stärksten Fragen dieses Lives:
Wo habe ich mich selbst verlassen, damit eine Verbindung bestehen bleiben konnte?
Wo wollte ich unbedingt verstanden werden?
Wo kämpfte ich um Anerkennung?
Wo rechtfertigte ich immer wieder meine Grenze?
Und welcher alte Kampf läuft vielleicht heute lediglich mit einem anderen Menschen weiter?
Manchmal wechseln die Personen.
Das Muster bleibt.
Bis wir es erkennen.
Ich möchte Menschen nicht mehr brauchen. Ich möchte sie wählen.
Und damit kommen wir zu meiner höchst wissenschaftlichen Tortentheorie.
Ich brauche keinen Menschen mehr, damit mein Leben vollständig ist.
Ich bin die verdammte Torte.
Ein Mensch darf gern die Kirsche darauf sein.
Und ja – perverserweise mag ich diese seltsamen Zuckerkirschen sogar.
Die Sahne allerdings nicht.
Wir arbeiten noch am Bild.
Aber der Punkt ist:
Ich möchte keine Partnerschaft mehr aus Mangel.
Keine Freundschaft aus Einsamkeit.
Keine Bekanntschaft aus Höflichkeit.
Ich möchte Menschen in meinem Leben haben, weil ich mich bewusst für sie entscheide.
Nicht weil ich sie brauche.
Sondern weil ich sie wähle.
Und wie sehen deine Verbindungen aus?
Vielleicht musst du heute gar keine Entscheidung treffen.
Vielleicht reicht zunächst eine ehrliche Bestandsaufnahme.
Frag dich einmal:
Wie fühle ich mich in dieser Verbindung?
Kann ich Nein sagen?
Kann ich Bedürfnisse äußern?
Werde ich gehört?
Werde ich gesehen?
Sehe ich mein Gegenüber wirklich?
Darf ich mich verändern?
Darf der andere sich verändern?
Oder muss einer von uns den anderen permanent retten?
Und vielleicht die unbequemste Frage von allen:
Wenn du diesen Menschen heute zum ersten Mal kennenlernen würdest – würdest du ihn noch einmal wählen?
Wenn du bei deinen eigenen Mustern gerade nicht weiterkommst
Genau solche Fragen gehören auch zu meiner Arbeit im Coaching.
Nicht:
„Soll ich mich trennen?“
Nicht:
„Ist dieser Mensch toxisch?“
Und auch nicht:
„Sag mir bitte, was ich tun soll.“
Sondern:
Was passiert hier eigentlich?
Welche Rolle hast du übernommen?
Was gibst du?
Was bekommst du?
Welche Grenze setzt du nicht?
Was möchtest du sagen und sagst es trotzdem nicht?
Und welche Geschichte wiederholt sich vielleicht schon seit Jahren in unterschiedlichen Verbindungen?
Ich möchte dir keine Entscheidung abnehmen.
Ich möchte dir helfen, deine Situation so klar zu sehen, dass du deine eigene Entscheidung wieder treffen kannst.
Mehr über meine Arbeit, Coaching, Kartenlegen und Numerologie findest du auf creativewitch.de.
Und das vollständige Live zum Thema „Verbindung – Wen lasse ich noch in mein Leben?“ findest du auf meinem Creative-Witch-YouTube-Kanal.
Mein Gedanke zum Schluss
Vielleicht müssen wir nicht zuerst fragen:
„Liebt mich dieser Mensch?“
Vielleicht dürfen wir zuerst fragen:
„Wie fühle ich mich, wenn ich mit diesem Menschen verbunden bin?“
Denn wenn ich mich noch einmal wirklich verbinde, möchte ich an dieser Verbindung wachsen.
Und mich nicht anschließend von ihr erholen müssen.
