6 Tage Loslassen vor der Sonnenfinsternis

Vom Erkennen über das Lösen bis zur Frage: Wer bin ich ohne meine alten Rollen?

Manchmal wissen wir sehr genau, dass wir etwas loslassen möchten.

Einen Menschen.
Eine Beziehung.
Eine alte Verletzung.
Eine Erwartung.
Eine Rolle.
Eine Vorstellung davon, wie unser Leben eigentlich hätte werden sollen.

Und trotzdem halten wir fest.

Vielleicht, weil wir noch nicht verstanden haben, was wir eigentlich festhalten.

Vielleicht, weil eine alte Bindung darunterliegt.

Vielleicht, weil wir nie ausgesprochen haben, was wirklich in uns lebt.

Vielleicht, weil wir etwas noch nicht betrauert haben.

Oder weil unser Kopf längst entschieden hat – unser Körper aber noch immer reagiert.

Genau daraus ist meine Loslass-Reise vom 6. bis 11. August entstanden.

Sechs Tage.

Sechs verschiedene Ebenen.

Nicht, um die Vergangenheit auszulöschen.

Sondern um ihr einen anderen Platz zu geben.

Denn Loslassen bedeutet für mich inzwischen nicht mehr:

„Es war nichts.“

Sondern:

„Es war. Es hat mich geprägt. Aber es muss meine Zukunft nicht mehr bestimmen.“


Tag 1 – Erkennen

Was trage ich noch?

Am ersten Tag ging es noch gar nicht darum, sofort etwas loszuwerden.

Wir mussten zunächst erkennen, was überhaupt schwer geworden ist.

Denn manche Dinge tragen wir so lange, dass wir ihr Gewicht gar nicht mehr bemerken.

Verantwortung für andere.

Alte Schuldgefühle.

Eine Geschichte, die wir uns seit Jahren erzählen.

Die Hoffnung, dass jemand sich doch noch verändert.

Die Erwartung, endlich verstanden zu werden.

Oder einen Glaubenssatz wie:

Ich muss immer stark sein.

Für das erste Ritual habe ich mit drei Steinen gearbeitet.

Der erste stand für eine Verantwortung, die vielleicht gar nicht mehr meine ist.

Der zweite für eine alte Geschichte oder einen Glaubenssatz.

Der dritte für einen Menschen, eine Erwartung oder eine Rolle, an der ich noch festhalte.

Zu jedem Stein gehört nur ein Satz:

Ich erkenne, dass ich das noch trage.

Danach kam das Feuer.

Nicht, weil Feuer eine Vergangenheit verschwinden lässt.

Sondern weil ein Ritual einen Übergang sichtbar machen kann.

Die zentrale Frage dieses Tages war:

Was trägst du noch, obwohl es längst nicht mehr zu dir gehört?

Und der Satz, der mich durch diesen ersten Tag begleitet hat:

Ich muss es nicht weitertragen, nur weil ich es lange getragen habe.


Tag 2 – Lösen

Welche unsichtbaren Verträge halten mich fest?

Am zweiten Tag wurde es spannend.

Denn wir können längst wissen, was uns belastet – und trotzdem nicht gehen.

Warum?

Weil darunter manchmal ein unsichtbarer Vertrag liegt.

Ein Satz, den wir irgendwann innerlich unterschrieben haben:

Ich darf niemanden enttäuschen.

Ich muss für alle da sein.

Ich muss durchhalten.

Ich darf meine Meinung nicht ändern.

Ich darf erst gehen, wenn der andere mich versteht.

Ich brauche noch eine Entschuldigung.

Wenn ich loslasse, war alles umsonst.

Ausgerechnet an diesem Tag bekam ich selbst ein sehr praktisches Beispiel geliefert.

Ich hatte meiner Community angekündigt, jeden Tag live zu gehen.

Dann bekam ich eine Einladung.

Und plötzlich war da dieses:

„Aber ich habe es doch versprochen.“

Das Ritual wollte ich trotzdem machen.

Das war auch ein Versprechen an mich selbst.

Aber musste es deshalb zwingend genauso stattfinden, wie ich es ursprünglich angekündigt hatte?

Nein.

Und genau darin lag für mich die Erkenntnis:

Ich darf meine Entscheidung verändern, ohne mich selbst zu verraten.

Für das Ritual habe ich eine Schnur mit mehreren Knoten verwendet.

Ein Knoten für:

Was glaube ich tun zu müssen?

Ein weiterer für:

Was erlaube ich mir nicht, weil ich niemanden enttäuschen möchte?

Und ein weiterer für:

Worauf warte ich eigentlich noch, bevor ich mir erlaube weiterzugehen?

Nicht jeder Knoten muss endlos entwirrt werden.

Manche Bindungen dürfen enden.

Die Frage dieses Tages lautete:

Was hält dich fest – obwohl du längst weißt, dass du dich lösen möchtest?


Tag 3 – Aussprechen

Heute ist deine Stimme das Ritual

Am 8. August kam das Löwentor.

Ein Tag, den viele Menschen spirituell mit Sirius, Herzenergie, Mut, Sichtbarkeit und Neuausrichtung verbinden.

Mich hat besonders das alte Bild des Sirius berührt.

Sein Wiedererscheinen am Morgenhimmel war im alten Ägypten eng mit der Zeit der Nilflut verbunden.

Nach Trockenheit kam Wasser.

Mit dem Wasser kamen Fruchtbarkeit, Wachstum und neues Leben.

Und genau darin liegt für mich eine wunderschöne Symbolik:

Wir lassen nicht los, damit nichts mehr da ist.
Wir lassen los, damit wieder etwas fließen kann.

In dieser Zeit beschäftigte mich außerdem das Bild der Schlange und des Feuerpferdes.

Die Schlange häutet sich.

Sie lässt eine Haut zurück, die einmal zu ihr gehörte.

Aber sie zieht diese alte Haut nicht wieder an.

Und daraus entstand einer meiner Lieblingssätze dieser Reise:

Die Schlange zieht die alte Haut aus. Das Pferd wartet nicht daneben und zieht sie wieder an.

Der dritte Tag brauchte deshalb kein Feuer.

Keine Schnur.

Keine Schere.

Keine große Inszenierung.

Denn manches können wir nicht loslassen, solange wir es nur schweigend in uns tragen.

Also sind wir ans Wasser gegangen.

Und haben ausgesprochen:

Ich habe zu lange geschwiegen über …

Ich habe mich kleiner gemacht, weil …

Ab heute erlaube ich mir …

Und noch eine Frage kam hinzu:

Wenn ich nicht mehr müsste – wofür würde ich brennen?

Dabei geht es nicht darum, jemanden zu konfrontieren.

Niemand muss angerufen werden.

Keine Nachricht muss verschickt werden.

Vielleicht genügt es zunächst vollkommen, wenn wir selbst unsere Wahrheit hören.

Die Frage dieses Tages:

Welche Wahrheit würdest du aussprechen, wenn du keine Angst vor der Reaktion hättest?


Tag 4 – Betrauern

Manche Dinge müssen nicht schlecht gewesen sein, damit sie enden dürfen

Am vierten Tag wurde die Reise stiller.

Denn beim Loslassen sprechen wir sehr viel darüber, was weg soll.

Aber erstaunlich wenig darüber, was passiert, wenn wir wirklich akzeptieren:

Es ist vorbei.

An diesem Tag beschäftigte ich mich gleichzeitig intensiv mit den Saros-Familien der kommenden Sonnen- und Mondfinsternis.

Und ein Bild blieb besonders hängen:

Eine Finsternisfamilie nähert sich dem Ende ihrer Phase der Totalität.

Eine andere bewegt sich immer tiefer hinein.

Symbolisch formuliert:

Die eine legt die Krone ab.
Die andere setzt sie auf.

Und plötzlich stellte sich für mich eine ganz persönliche Frage:

Welche alte Ordnung in meinem Leben kann ihre bisherige Form nicht mehr halten?

Eine Beziehung?

Eine Rolle?

Ein Beruf?

Ein Versprechen?

Eine Vorstellung von mir selbst?

Und dann kam die schwierigere Frage:

Was muss ich betrauern, wenn ich wirklich akzeptiere, dass diese Ordnung endet?

Denn vielleicht betrauern wir gar nicht den Menschen.

Vielleicht betrauern wir die Zukunft, die wir mit ihm verbunden hatten.

Vielleicht betrauern wir nicht den Job.

Vielleicht betrauern wir die Anerkennung, die wir uns dort erhofft hatten.

Vielleicht betrauern wir nicht die alte Rolle.

Vielleicht betrauern wir die Sicherheit, die sie uns einmal gegeben hat.

Das Ritual dieses Tages war deshalb ein leerer Stuhl.

Ein Gegenstand konnte stellvertretend darauf liegen.

Und vier Sätze begleiteten das Ritual:

Das habe ich durch dich erlebt …

Das habe ich durch dich verloren …

Und das nehme ich trotzdem mit …

Was ich zurücklasse, ist die Vorstellung, dass es anders hätte enden müssen.

Danach wird der Stuhl bewusst zur Seite geschoben.

Mit dem Satz:

Es hatte einen Platz in meinem Leben.
Aber es bekommt nicht mehr den Platz meiner Zukunft.

Vielleicht war etwas schön.

Vielleicht war es wichtig.

Vielleicht hat es uns geprägt.

Und trotzdem darf seine Zeit vorbei sein.

Manche Ordnungen enden nicht, weil sie falsch waren. Sie enden, weil ihre Zeit vorbei ist.


Tag 5 – Aus dem Körper entlassen

Der Kopf hat entschieden. Aber was macht mein Körper?

Dieser Tag berührt mich persönlich besonders.

An meinem Geburtstag saß ich dieses Jahr in meiner Ausbildung zum systemischen Coach.

Das Thema dieses Tages:

Entscheidungen.

Welche Entscheidung war richtig?

Welche hat sich gut angefühlt?

Welche habe ich aus dem Herzen getroffen?

Und welche würde ich heute wahrscheinlich nie wieder genauso treffen?

Während wir genau darüber sprachen, ploppte plötzlich eine E-Mail auf.

Von einem Menschen, der mir über viele Jahre sehr wichtig gewesen war.

Ich musste meine Kamera ausschalten.

Ich begann zu weinen.

Ich musste nicht erst analysieren, warum.

Mein Körper war schneller als mein Kopf.

Ein Name.

Eine Nachricht.

Ein Moment.

Und plötzlich war die gesamte emotionale Verbindung wieder da.

Genau deshalb geht es an Tag fünf um die Frage:

Wo hält mein Körper noch fest, obwohl mein Kopf längst loslassen möchte?

Vielleicht wird dein Kiefer fest.

Vielleicht ziehen deine Schultern hoch.

Vielleicht hältst du den Atem an.

Vielleicht wird dein Bauch eng.

Vielleicht kommen sofort Tränen.

Wir müssen daraus keine große Theorie machen.

Aber wir können beobachten:

Was passiert in meinem Körper, wenn diese Geschichte auftaucht?

Das Ritual beginnt deshalb ganz einfach.

Barfuß stehen.

Atmen.

Den Körper wahrnehmen.

Dann die Hände und Arme ausschütteln.

Die Schultern.

Die Beine.

Den Kiefer lockern.

Nicht schön.

Nicht elegant.

Einfach bewegen.

Dann dreimal bewusst ausatmen.

Beim letzten Ausatmen:

Ich muss es nicht mehr festhalten.

Danach kommen die Hände ins Wasser.

Und der Satz:

Mein Körper darf erkennen, dass dieser Moment vorbei ist.

Mit den nassen Händen streichen wir von den Schultern über die Arme nach außen.

Beim ersten Mal:

Was ich getragen habe.

Beim zweiten:

Was ich nicht länger tragen muss.

Beim dritten:

Was jetzt gehen darf.

Und am Ende öffnen sich die Hände.

Ich halte nichts fest.

Die Frage dieses Tages:

Wie würde sich dein Körper anfühlen, wenn er nicht mehr auf der Hut sein müsste?

Loslassen ist eben nicht nur eine Entscheidung im Kopf.

Manchmal müssen wir unserem Körper erlauben, dieser Entscheidung nach und nach zu folgen.


Tag 6 – Alte Rollen ablegen

Wer bin ich, wenn ich das nicht mehr sein muss?

Der letzte eigentliche Loslasstag führt uns zu unserer Identität.

Denn irgendwann haben wir nicht mehr nur bestimmte Dinge getan.

Wir wurden zu ihnen.

Die Starke.

Die Retterin.

Die Angepasste.

Die Vernünftige.

Die Schwierige.

Die, die niemanden braucht.

Die, die alles aushält.

Die, die immer wieder vergibt.

Vielleicht hat eine dieser Rollen uns einmal gerettet.

Vielleicht mussten wir stark sein.

Vielleicht mussten wir vermitteln.

Vielleicht mussten wir funktionieren.

Vielleicht mussten wir uns anpassen.

Aber eine Überlebensstrategie ist noch keine Identität.

Die große Frage dieses Tages lautet:

Welche Rolle spielst du so überzeugend, dass du selbst vergessen hast, dass es nur eine Rolle ist?

Für dieses Ritual brauchen wir einen Schal, ein Tuch oder einen Umhang.

Darauf oder daran kommen Begriffe für die Rollen, die wir getragen haben.

Und jede Rolle wird einzeln abgenommen.

Mit dem Satz:

Diese Rolle hat mich einmal geschützt.
Aber sie ist nicht meine ganze Identität.

Die Starke darf gehen.

Die Retterin darf gehen.

Die Angepasste darf gehen.

Die, die immer alles aushält, darf gehen.

Nicht weil diese Anteile falsch sind.

Sondern weil sie nicht mehr alles sein müssen.

Und wenn das Tuch schließlich fällt, bleibt für einen Moment nur der eigene Name.

Bei mir:

Ich bin Sandra.

Nicht die Rolle.

Nicht die Erwartung.

Nicht die Geschichte.

Ich.

Vielleicht ist das die radikalste Form des Loslassens:

Nicht nur etwas aus dem eigenen Leben gehen zu lassen.

Sondern eine alte Vorstellung davon, wer man sein muss.


Und dann kommt der 12. August

Sechs Tage haben wir losgelassen.

Am 12. August möchte ich deshalb nicht noch einmal etwas verbrennen.

Nicht noch einmal durchtrennen.

Nicht noch einmal aktiv „wegmachen“.

Der 12. August ist für mich die Schwelle.

Neumond im Löwen.

Sonnenfinsternis.

Dunkelheit.

Noch ist nicht sichtbar, was als Nächstes entsteht.

Und vielleicht ist genau das vollkommen in Ordnung.

Sechs Tage Loslassen.

Tag sieben: Raum lassen.

Keine zwanzig Wünsche.

Keine Liste mit hundert Manifestationen.

Vielleicht zunächst nur eine leere Schale.

Und die Frage:

Was darf wachsen, weil ich aufgehört habe, das Alte künstlich am Leben zu erhalten?

Vielleicht entsteht später daraus ein Samen.

Vielleicht eine Entscheidung.

Vielleicht ein neuer Weg.

Vielleicht zunächst auch nur Stille.

Denn bevor etwas Neues wachsen kann, muss nicht immer sofort etwas gepflanzt werden.

Manchmal müssen wir zuerst lernen, den freien Raum auszuhalten.


Die sechs Fragen der Loslass-Reise

Wenn du diese Reise selbst machen möchtest, nimm dir für jeden Tag nur eine Frage:

Tag 1: Was trage ich noch, obwohl es längst nicht mehr zu mir gehört?

Tag 2: Was hält mich fest, obwohl ich längst weiß, dass ich mich lösen möchte?

Tag 3: Welche Wahrheit würde ich aussprechen, wenn ich keine Angst vor der Reaktion hätte?

Tag 4: Was muss ich betrauern, wenn ich akzeptiere, dass etwas wirklich vorbei ist?

Tag 5: Wo hält mein Körper noch fest, obwohl mein Kopf längst loslassen möchte?

Tag 6: Welche Rolle spiele ich so überzeugend, dass ich vergessen habe, dass sie nur eine Rolle ist?

Und vielleicht führt alles am Ende zu einer einzigen Frage:

Wer bin ich, wenn ich nicht mehr tragen muss, was einmal notwendig war?


Mein Gedanke nach diesen sechs Tagen

Loslassen ist kein einzelner Moment.

Es ist nicht nur ein Zettel im Feuer.

Es ist ein Prozess.

Erkennen.
Lösen.
Aussprechen.
Betrauern.
Entlassen.
Ablegen.

Und irgendwann entsteht etwas, das zunächst wie Leere aussehen kann.

Aber vielleicht ist es gar keine Leere.

Vielleicht ist es Platz.

Platz für eine Entscheidung.

Platz für Bewegung.

Platz für die eigene Stimme.

Platz für eine neue Geschichte.

Und diesmal vielleicht wirklich:

in unserer eigenen Handschrift.

Sandra | CreativeWitch

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